Navigation

Publikationen

Die aktuellen Diskussionen um ‚Parallelgesellschaften‘ sind Indizien für eine Sehnsucht nach sozialer Normativität und Geschlossenheit, die sich in Reaktion auf entgrenzende Globalisierungserfahrungen ausprägt. Paradoxerweise geht gerade dieser Wunsch nach Komplexitätsreduktion häufig mit einer wachsenden Heterogenität einher: Er begünstigt nicht nur die Segregation der gesellschaftlichen Ränder (vgl. Migrantenquartiere), sondern auch den abschottenden Rückzug auf partikulare Sozialvorstellungen (vgl. gated communities, religiöse Sondergemeinschaften) sowie die Bildung intentionaler Gemeinschaften utopischen Anspruchs (vgl. Kommunen, Ökodörfer).

In Literatur und Film sind solche parallelen und alternativen Sozialformationen prädestiniert zur Aushandlung und Reflexion von Werten, Verhaltensweisen und Machtstrukturen. Der Sammelband geht ihrer kulturellen und ästhetischen Bedeutung in den Gegenwartswerken auf den Grund und erforscht sie nicht zuletzt in Hinblick auf ihre Fähigkeit, selbst Utopien zu entwerfen.

 

Teresa Hiergeist (Hrsg.): Parallel- und Alternativgesellschaften in den Gegenwartsliteraturen, Würzburg: Königshausen & Neumann, 2017 (Reihe: IZG ‚Focus: Gegenwart‘).

rezensiert von Jonas Meurer in PhiN (85/2018)

Als Beiheift der Romanischen Studien erscheinen im Sommer 2018 die Akten der Sektion ‚Parallelgesellschaften: Instrumentalisierungen und Inszenierungen in Politik, Kultur und Literatur‚, die auf dem Romanistentag im Oktober 2017 in Zürich in Zusammenarbeit von Literatur-, Kultur-, Medien- und Sprachwissenschaftlern und Historikern abgehalten wurde. Ziel war es dabei, diskursive Konstruktionen und Wertungsprozesse rund um den Begriff der ‚Parallelgesellschaften‘ aus einem diachronen Blickwinkel zu beleuchten.

 

Martin Biersack/ Teresa Hiergeist/ Benjamin Loy (Hrsg.): Parallelgesellschaften: Instrumentalisierungen und Inszenierungen in Politik, Kultur und Literatur, Romanische Studien: Beihefte (München: Akademische Verlagsgemeinschaft München, in Vorbereitung).